Nysa/Polen

Die Städtepartnerschaft zwischen Nysa und Lüdinghausen besteht seit dem Jahr 1993, und seit 1997 hilft das Lüdinghauser St. Antonius-Gymnasium erfolgreich dabei mit, die Verbindungen nach Nysa aufzubauen und zu vertiefen. In regelmäßiger Folge laden wir polnische SchülerInnen ins Münsterland ein, um ihnen die deutsche Lebensart näher zu bringen, woraufhin wir in ebenso schöner Regelmäßigkeit zu einem Gegenbesuch in Nysa starten, um dort wiederum die polnische Lebensart kennen zu lernen.

Zwar wurde unsere erste Partnerschule nach wenigen Jahren aufgelöst, aber inzwischen hatten sich so starke Freundschaften unter den begleitenden Lehrern entwickelt, dass der Austausch deshalb nicht zur Disposition stand: Schnell waren neue Kontakte zum Bischöflichen Diözesangymnasium in Nysa geknüpft, wo man einem Schüleraustausch interessiert gegenüber stand.

Wenn die LehrerInnen „der ersten Stunde“, die anfangs (vorsichtshalber erst einmal ohne SchülerInnen) vorgeschickt wurden, um die Möglichkeiten eines Schüleraustauschs zu prüfen, von ihren Erlebnissen in Polen berichten, umweht sie heute noch der Hauch des Abenteuers: Stundenlange Bahnfahrten in unkomfortablen Zügen durch das polnische Hinterland; Zwischenstopps in Städtchen mit unaussprechlichen Namen; nach 14 Stunden Fahrt endlich die Ankunft in Nysa und erste Erfahrungen mit der großartigen polnischen Gastfreundschaft.

 

Die Fahrzeit ist inzwischen auf 1 ½ Stunden geschrumpft - der Billigflieger macht’s möglich. Trotzdem ist eine Reise nach Polen oft noch mit dem Gefühl des Abenteuers verbunden, denn es ist ja für viele unserer SchülerInnen nicht nur der erste Besuch in diesem Land, sondern auch das erste Mal, dass sie sich in einer völlig fremden Familie zurechtfinden müssen.

Das Programm, das wir unseren Gästen bieten, hat in wesentlichen Teilen bereits Tradition: Lüdinghausen mit den Burgen und der Felicitas-Kirche, Münster mit dem Dom und dem Friedenssaal, Köln und der Dom. Aber darüber hinaus gibt es auch immer noch Varianten: Mal die Besichtigung des WDR in Köln, mal ein Ausflug in die Kletterhalle, ein gemeinsames Essen beim Chinesen oder eine stimmungsvolle Abschiedsfeier in der Burg Vischering. Beim Gegenbesuch in Polen dürfen wir uns dann u.a. auf Besichtigungen in Nysa, Krakau und Breslau freuen. Obligatorisch gehört auch ein Besuch in Auschwitz zum Programm, der niemanden unbewegt lässt. Aber interessanter als alle Besichtigungen sind die Beobachtungen und Vergleiche im Alltag, auch wenn die Unterschiede immer geringer werden. Schule, Umgang mit Eltern und Lehrern, Hobbys, Lieblingsmusik, Lieblingsfilme – wie ist das bei euch? Zwar lernen die polnischen GastschülerInnen in ihrer Schule alle deutsch, aber die hauptsächlich genutzte Sprache untereinander ist Englisch, weil sie das dann doch noch besser beherrschen. Mag sein, dass der positive Effekt für ihren Unterricht dadurch nicht so groß ist wie erhofft, aber Lernzuwachs lässt sich nicht nur an Vokabeln messen.

Der Abschied fällt vielen schwer, da sieht man die ein oder andere Träne fließen. Aber zum Glück lässt sich der Kontakt inzwischen komfortabel und ohne Verzögerung via Internet fortsetzen, so dass das Ende der Besuchswoche nicht auch das Ende einer beginnenden Freundschaft sein muss.