Von der Diktatur zur Freiheit – Bericht zur Zeitzeugenveranstaltung am St. Antonius Gymnasium

Zeitzeugenberichte zur Wiedervereinigung

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der deutschen Wiedervereinigung lud das St.-Antonius-Gymnasium in Kooperation mit der VHS und der Konrad-Adenauer-Stiftung am Donnerstagabend, den 08.10.2020 zu einem Zeitzeugen-Forum in der Aula der Schule ein. Als Zuschauer an der Veranstaltung teilnehmen konnten die Geschichtskurse der Q2 des St.- Antonius-Gymnasiums sowie alle Interessierten nach vorheriger Anmeldung.

 

Zeitzeugenberichte zur Wiedervereinigung

Das Programm begann zunächst mit der Begrüßung durch unsere Schulleiterin, Elisabeth Hüttenschmidt, und dem Vertreter der Konrad-Adenauer-Stiftung, Malte Bock. Anschließend gab es noch ein Grußwort per Videobotschaft von Marc Henrichmann, einem Mitglied des Deutschen Bundestages. Als erster Gast gab Herr Dr. Christopher Beckmann, seines Zeichens wissenschaftlicher Mitarbeiter der Konrad-Adenauer-Stiftung, einen geschichtlichen Impuls zu den katalysierenden Faktoren und Persönlichkeiten für den Weg zur Wiedervereinigung. Im Anschluss daran bekamen Regina und Karl-Heinz Labahn das Wort, welche als Zeitzeugen über die Unterdrückung durch das SED-Regime und letztlich ihrer Flucht aus der DDR berichteten. Diese Flucht kostete dem Paar einen hohen Preis. Nachdem sie einen Antrag auf Ausreise aus der DDR stellten, wurden sie dafür mit zwei Jahren Zuchthaus bestraft. Als die beiden nach den zwei Jahren wieder freikamen, durften sie zwar ausreisen und bekamen zudem die Staatsbürgerschaft der BRD, mussten jedoch ihre Kinder in der DDR zurücklassen. „Wenn ich daran denke, könnte ich schon wieder weinen“, unterbrach Frau Labahn, als sie erzählte, wie sie und ihr Mann ihren jüngsten Sohn erst nach der Wende, völlig verstört, aus einem DDR-Kinderheim zu sich zurückholen konnten. „Ihr habt die Freiheit, bewahrt sie!“ appellierte sie zum Schluss ihrer Erzählungen an uns Schüler und forderte uns auf, alles kritisch zu hinterfragen, damit sich ein solches Diktaturregime nie wieder in Deutschland durchsetzen kann.

Ein weiterer Zeitzeuge der DDR war der Schriftsteller Michael Fritz, welcher ebenfalls über seine Erfahrungen in der DDR berichtete und eine kurze Lesung aus seinem Werk „Auffliegende Papageien“, einem Gegenwartsroman aus dem geteilten und vereinten Deutschland, gab. Zum Ende der Veranstaltung sammelten sich alle Gäste zu einer Podiumsdiskussion auf der Bühne und die Zuschauer bekamen die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dabei berichtete eine Zuschauerin über ihre Erfahrungen zur Wiedervereinigung und durfte kurzerhand als weitere Zeitzeugin an der Podiumsdiskussion teilnehmen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Andrea Bauhus, Leiterin des Volkshochschulkreises Lüdinghausen, Ascheberg, Nordkirchen, Olfen und Senden.

Ich habe die Veranstaltung als sehr eindrücklich und lebhaft wahrgenommen. Durch Gespräche mit Zeitzeugen wird die Geschichte wieder lebendig und dies ist vor allem für uns als die Generation, welche selbst keine Erfahrungen mit der DDR machen musste, wichtig. Denn wie Frau Labahn appellierte, liegt es in unserer Hand, die Freiheit, welche damals hart erkämpft werden musste, zu schätzen und zu bewahren. Ich denke, ich spreche nicht nur für mich, wenn ich sage, dass Zeitzeugenberichte die authentischste und eindrücklichste Art und Weise sind, Geschichte weiterzugegeben.