Gedenkstättenfahrt nach Krakau und Auschwitz

 

Krakau und Auschwitz

Am 27. Januar jährte sich der Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz zum 75. mal. Schon einen Tag vor dem Gedenktag brach eine Gruppe von 20 Schülerinnen und Schülern sowie den Lehrern Frau Luhmann und Herr Kallenbach auf eine Gedenkstättenfahrt nach Krakau und Auschwitz auf. Von der Fahrt berichten Maja P. und Judith T.:

„Treff- und Startpunkt unserer Fahrt nach Krakau war der Flughafen in Düsseldorf. Als wir in den Flieger steigen wollten, haben wir unerwartet den Geschäftsführer des BVB, Hans-Joachim Watzke, getroffen und ein Gruppenfoto mit ihm gemacht. Auch er befand sich auf dem Weg nach Krakau, um am Gedenken an den 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz teilzunehmen.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen wurden wir durch die Stadt geführt und sahen den Wawel, die Marienkirche und viele weitere interessante und historische Orte. Wir lernten etwas über die Stadtgeschichte und waren sehr beeindruckt von den vielen eindrucksvollen Gebäuden.

Im Anschluss an unsere Mittagspause gingen wir in das jüdische Viertel, wo wir eine Synagoge und einen Friedhof besuchten. Geendet hat die Stadtführung im ehemaligen jüdischen Ghetto. Die vielen Eindrücke, die uns am Montag während der Stadtführung über das jüdische Leben und dessen Wandel im Krieg vermittelt wurden, sind am Dienstag verstärkt worden, als wir uns das Stammlager Auschwitz I. ansahen.

Durch das Tor und die Baracken zu gehen; die Mauer zu sehen, an der so viele unschuldige Menschen aus purer Grausamkeit erschossen wurden; die Gaskammer und das Krematorium zu sehen – das alles löste in uns tiefste Trauer, Unverständnis und vor allem Wut aus. Auf diejenigen, die absurde Rassenvorstellungen verfolgten und es als Ziel sahen, eine ganze Religion zu vernichten. Auschwitz hinterließ tiefe Spuren. Zwar hatte unser Besuch in Auschwitz am Dienstag schon einiges ausgelöst, aber die Besichtigung des Vernichtungslagers Birkenau am Mittwoch war nochmal etwas völlig anderes.

Dieses Lager zu sehen, das dazu errichtet wurde, um systematisch Menschen zu ermorden und ihren Besitz an sich zu reißen, löste eine unvorstellbare Bestürzung aus. „Es war nie die Frage, ob man die Juden umbringen sollte. Die einzige Frage, die sich stellte, war ,wie? ́“, fasste die Frau, die uns herumführte, zusammen.

Wie unvorstellbar ist es in der heutigen Zeit, dass Menschen andere strukturiert umbringen und auf grausamste Art entwürdigen? Zu sehen, wie viele Menschen auf dünnen Holzbrettern schlafen mussten; wie sie im tiefsten Winter in dünner Kleidung arbeiten mussten; wie an ihnen menschenverachtende Experimente durchgeführt wurden; wie Kinder aufwachsen mussten oder schon bei der Selektion nichtsahnend in die Gaskammern geschickt wurden – dies ist wohl das Schlimmste, was in der Geschichte der Menschheit passiert ist.

Die Frau, die uns durch das Lager führte, sagte passend: „Birkenau ist der größte Friedhof der Welt – nur ohne Gräber.“ Auch unser Besuch in Oświęcim, der eigentlichen Stadt, zeigte, wie das jüdische Leben in Polen nahezu ausgelöscht wurde. Wir sahen eine mittlerweile selten genutzte Synagoge und Gebäude, in denen vor dem Krieg noch die jüdische Bevölkerung in Frieden lebte.

Am Donnerstag hatten wir ein ergreifendes Gespräch mit einer Zeitzeugin, Lidia Maksymowicz, die gerade einmal drei Jahre alt war, als sie nach Birkenau gebracht wurde. Josef Mengele experimentierte an ihr und anderen Kindern, doch sie überlebte dank ihrer Mutter, die es schaffte, Essen zu ihr zu schmuggeln, sodass Lidia 1945 befreit wurde. Ihre totgeglaubte Mutter traf sie viele Jahre später in der Sowjetunion. Ihre Geschichte war unglaublich bewegend und herzzerreißend.

Krakau und Auschwitz

Um die bisher gesammelten Eindrücke zu vertiefen, besuchten wir am Mittag das „Oskar-Schindler-Museum“, das das Leben der Juden vor dem Krieg, während des Krieges und nach dem Krieg anschaulich darstellte.

Es war schockierend, wie Schritt für Schritt die Anfänge des Nationalsozialismus und der Rassentheorie aufkamen und wie den Menschen immer mehr ihr Glaube, ihr Zuhause, ihr Hab und Gut, ihre Würde, ihre Hoffnung und schließlich ihr Leben genommen wurde. Natürlich beschäftigte uns das, was wir gesehen haben, noch tagelang und wir werden diese Fahrt immer im Gedächtnis behalten.

Doch nicht nur die grauenvollen Dinge, die wir in Auschwitz erfahren haben, werden uns noch begleiten; auch die schönen Dinge, die wir in Krakau erlebt haben, sind sicherlich unvergesslich:

Die schöne Altstadt, die vielen schönen Ecken Krakaus, die wir in unserer Freizeit entdeckten, das leckere Essen (z.B. das gemeinsame israelische Essen am letzten Abend), viele lustige Momente und ein tolles Gemeinschaftsgefühl innerhalb unserer Gruppe. Doch was auf jeden Fall bleibt, ist die Erinnerung. Und die Mahnung an uns alle, dass so etwas nie wieder passieren darf. Und dass wir handeln müssen, wenn so etwas wieder passiert. Nicht erst, wenn es schon viel zu spät ist.“

„Die Erinnerung ist wie das Wasser: Sie ist lebensnotwendig und sie sucht sich ihre eigenen Wege in neue Räume und zu anderen Menschen. Sie ist immer konkret. Sie hat kein Verfallsdatum und sie ist nicht per Beschluss für bearbeitet oder beendet zu erklären“ - Noach Flug, Auschwitz-Überlebender (1925 – 2011)