Sina: Meine Zeit an der JuniorAkademie in Königswinter

Sina bei der Juniorakademie

Als ich Anfang des Jahres darauf angesprochen wurde, ob ich nicht an einer sogenannten JuniorAkademie teilnehmen möchte, konnte ich mir zunächst nichts darunter vorstellen.
Durch Erfahrungsberichte konnte ich dann erste Eindrücke sammeln, richtig überzeugt war ich jedoch trotzdem noch nicht. Schule in den Sommerferien? Lernen, statt sich mit Freunden zu treffen und am Pool zu liegen? Nicht gerade das, was man sich unter Ferien vorstellt. Trotzdem habe ich mich nach reiflichem Überlegen beworben, besonders große Chancen angenommen zu werden, habe ich mir sowieso nicht ausgerechnet. Umso überraschter war ich dann, als nach den Osterferien die Zusage kam. Und dann sogar noch für meinen Wunschkurs Molekulare Biomedizin. Es wurden auch noch viele weitere interessante Themen angeboten, wie z.B. Mikrocontroller, Mathematik, Psychologie oder Forensik, und teilweise sogar Englischsprachige.

 

Und so landete ich einige Monate später am CJD in Königswinter, wo wir vom 07.08. bis zum 17.08. untergebracht wurden. Meine Bedenken lösten sich schnell in Luft auf, als ich die vielen anderen Teilnehmer sah. Nach einer kurzweiligen Eröffnungsfeier konnten wir uns durch einige Spiele schon ein wenig kennenlernen, nachher ging es dann zum ersten Mal in die Kurse. In Königswinter wurden neben meinem Kurs, Molekularer Biomedizin, auch noch Forensik und Astrophysik angeboten.

Das Programm war ziemlich vollgepackt, viel Zeit für Pausen gab es nicht. Eingeplant waren pro Tag nur fünf Minuten, doch selbst das war schon übertrieben.
Das offizielle Programm startete um 7:30 Uhr mit dem Frühstück, ganz Motivierte konnten um 6:30 Uhr schon am Frühsport teilnehmen. Dort wurden unterschiedlichste Sachen angeboten, z.B. Joggen, Trimm-Dich-Pfade, Life Kinetik (Gehirntraining durch Bewegung) oder auch Schwimmen.
Jeden Morgen gab es nach dem Frühstück ein Plenum, wo uns gesagt wurde, was wir an dem Tag machen würden. Pro Tag hatten wir insgesamt 6 Stunden Kurs, dreieinhalb morgens, und zweieinhalb spät nachmittags. Geleitet wurde dieser von einer Medizinstudentin und einem Bio-Lehrer. Unser Kurs hat sich mit verschiedensten Bereichen der Medizin beschäftigt. Angefangen haben wir mit der Anatomie des Herzens und Herzerkrankungen, wobei wir den Aufbau selbst am Herzen eines Lamms durch Sezieren erkennen und aufzeichnen sollten.
Weiter ging es mit CRISPR/Cas 9, also der „Genschere“ und somit einer Methode, mit der man in Zukunft wahrscheinlich mutierte Abschnitte auf der DNA einfach rausschneiden und ersetzen kann. Dieses Thema war wohl das Anspruchsvollste, unser Kursleiter hat uns einen Vortrag gehalten, den er normalerweise an der Uni hält. Trotzdem war es ein spannendes Thema, vor allem die Diskussionen darüber, wie ethisch korrekt das Manipulieren von Genen überhaupt ist, wobei wir auch auf den chinesischen Forscher eingegangen sind, der diese Methode Anfang des Jahres an zwei ungeborenen Babys getestet hat.
Einer der Höhepunkte der Akademie war, als die Kursleiter auf einmal mit drei ganzen Lammköpfen im Kursraum standen. Arbeitsauftrag: „Erst mal die Augen rausschneiden“. Danach haben wir uns mit dem Gehirn beschäftigt, das wir ebenfalls rausschneiden mussten. Bewaffnet mit einer Knochensäge und Kettenhandschuhen konnten einige Schüler den Schädel aufspalten und das Gehirn in einer Alkohollösung einlegen.
Dabei haben wir uns, wie beim Herz, auch über die Krankheiten des Hirns und des Nervensystems im Allgemeinen erkundigt und sollten zu zweit 5-10-minütige Referate vorbereiten. Ich selbst habe einen Vortrag über die sehr bekannte Krankheit „Multiple Sklerose“ gehalten, andere Themen waren z.B. Alzheimer, Parkinson oder Chorea Huntington.
Ein anderes Highlight der Kursarbeit war die von Kursleitern geführte Diskussion über Abtreibung, die mit einem Fallbeispiel verknüpft war. Jeder konnte sich zunächst ein spontanes und später, nach dem Diskutieren mit einem Partner, ein abschließendes Urteil bilden und es war super interessant, die Argumente der anderen zu hören.

Jedoch sind die Kurse nicht das einzige, was die JuniorAkademie ausmacht. Um den Kopf frei zu kriegen, gab es jeden Tag nach dem Mittagessen die Wahl, ob man Sport machen oder lieber in den Chor gehen will. Ich selbst entschied mich für Sport, wo wir verschiedene Variationen von Völkerball, Quidditch und Schatzwächter gespielt haben, oder auch Schwimmen gegangen sind. Des Weiteren gab es zwei Exkursionen, einmal sind wir den Drachenfels hochgelaufen und an einem anderen Tag ist unser Kurs nach Troisdorf gefahren, um in einem Labor eine Gelelektrophorese durchzuführen.
Auch der Besuch von Dr. Mark Benecke war etwas ganz Besonderes. Der berühmte Forensiker hielt einen spannenden Vortrag über Außerirdische und wie man anhand eines Fotos überprüfen kann, ob es sich um einen Menschen, eine Puppe oder wirklich um ein Alien handelt, indem man einfach alles hinterfragt.

Nach dem Abendessen gab es dann die sogenannten „KüAs“, die „Kursübergreifenden Angebote“. Dort wurden von uns Schülern viele verschieden Aktivitäten angeboten, sodass man sich jeden Abend zwei Angebote aussuchen konnte. Besonders cool fand ich Fechten, Griechisch und Paartanz, jedoch waren noch viele andere großartige KüAs zur Auswahl. Jeden Abend konnte man zwei von ihnen auswählen, wodurch man die Möglichkeit hatte, viele neue Sachen auszuprobieren. Der Klassiker, der eigentlich jeden Abend angeboten wurde, war das Rollenspiel Werwolf, das mit vielen Leuten immer Spaß macht.

Am letzten Abend gab es dann eine Abschlussparty. Durch die Paartanz-KüAs wurde eigentlich die ganze Zeit durchgetanzt, sodass die Party ein voller Erfolg war.

Viel zu schnell ging diese schöne Zeit wieder vorbei. Die Akademie wurde mit einer feierlichen Abschlussfeier beendet, bei der auch die Familien eingeladen wurden. Wir stellten vor, was wir in den letzten zehn Tagen gemacht haben und erhielten unsere Urkunden. Die Verabschiedung verlief ziemlich tränenreich, jedoch ist im November schon ein Nachtreffen geplant, sodass wir uns alle wiedersehen. Die Zeit war unfassbar schön und ich würde so etwas sofort noch einmal machen, da ich so viele außergewöhnliche Menschen kennengelernt habe und viele neue Erfahrungen sammeln konnte.


Schule_der_Zukunft
Jugend_debatiert

Diese Internetseite wird regelmäßig auf ihre Sicherheit überprüft!